Galvanotechnik


Altes im neuen Glanz erstrahlen lassen

Seit etwa 150 Jahren werden galvanotechnische Verfahren in nahezu allen Bereichen der Metallbe- und verarbeitung eingesetzt. Damit zählt die Technologie zu den älteren industriellen Verfahren.

Zugleich zeigt es sich immer wieder, dass trotz der übersichtlichen Zahl an Unternehmen und Fachleuten, die sich mit Galvanotechnik befassen, die Technologie eine Schlüsselfunktion hat.

Besonders gut zu erkennen ist dies an den unentbehrlichen Eigenschaften von galvanisch abgeschiedenen Metallen im Bereich des Korrosionsschutzes für wichtige Teile an Fahrzeugen oder auch an den zahllosen galvanotechnisch beschichteten Bauteilen der uns umgebenden elektronischen Geräte, die hier die funktionellen Eigenschaften der elektrischen Leitfähigkeit, des Oxidationsschutzes und der Dekoration gewährleisten müssen.

Um die Leistungen der Galvanotechnik einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde in Leipzig ein Verein zur Schaffung eines Museums der Galvanotechnik gegründet.

Literaturhinweis: 

Auzug aus dem VDMG - Verein Deutsches Museum für Galvanotechnik e.V. 

Trogauer Str.76b  04318 Leipzig

Pioniere der Galvanotechnik

Wilhelm Pfanhauser sen., Wien & Dr.Georg Langbein, Leipzig errichten 1907 unter dem Namen Langbein - Pfanhauser Werke AG eine Aktiengesellschaft.

Die Väter der Galvanotechnik

Galvanisieranlage

               Badstromregler

Galvanisieren - Metallbeschichtung durch Elektrolyse

Galvanisieren[1] ist eine Elektrolyse mit dem Ziel, Metalle oder andere leitende Materialien mit einer Metallschicht zu überziehen. Eine edlere Metallschicht wirkt schön und schützt relativ unedle Metalle gegen Oxidation und Korrosion.

Vorbereitung zum Galvanisieren

  • Reinige den Metallgegenstand zum Galvanisieren. Er muss sauber und fettfrei sein. Berühre ihn nunnur noch mit der Pinzette. Aktiviere die Oberfläche des Gegenstandes ca. 5 min in verdünnter Salzsäure HCl aq 1M. Nach dem Spülen mit Wasser ist der Gegenstand zum Galvanisieren bereit.
  • Als Stromquelle dient uns ein Transformator. Er transformiert 220V-Wechselspannung aus der Steckdose in regelbare Gleichspannung zwischen 0 und 20V. Flüssigkeit im Transformator könnte einen Kurzschluss verursachen. Stelle ihn zur Sicherheit erhöht.
  • Schüttle das Galvanisierbad in der Flasche. Giesse es zum Galvanisieren in ein Becherglas mit passendem Volumen. Während dem Galvanisieren wird es nicht gerührt.
  • Als Anode (hier Pluspol) wird beim Galvanisieren meist eine Kohle-Elektrode benutzt. Sie entzieht der Lösung Elektronen, nimmt aber selber an den chemischen Reaktionen nicht teil.
    Die Kohle-Elektrode wird am Transformator-Pluspol angeschlossen, mit einer Klammer an einem Stativ befestigt und möglichst tief in das Galvanisierbad getaucht (vgl. Skizze). Als Anode kann auch ein entsprechendes Metallstück dienen, also Kupfer beim Verkupfern, Nickel beim Vernickeln etc. Metallanoden werden beim Galvanisieren oxidiert.
  • Als Kathode (hier Minuspol) wird der zu galvanisierende Gegenstand geschaltet. 
  • Er wird mit einer Krokodiklemme mit dem Transformator-Minuspol verbunden und vollständig in das Galvanisierbad getaucht. Das Kabel kann mit einer Wäscheklammer befestigt werden.
  • Wende den Gegenstand für eine regelmässige Metallschicht beim Galvanisieren ab und zu. Setze die Krokodilklemme möglichst knapp an und und setze sie mindestens einmal um.
  • Vermeide Kurzschlüsse. Der Gegenstand sollte keine anderen Gegenständen im Galvanisierbad und vor allem nicht die Anode berühren.
  • Spüle den Gegenstand schliesslich mit entmineralisertem Wasser und reibe ihn sofort mit Haushaltpapier ab.

Schaltung für die Galvanisierung

Mit Stativ, Klammern und Wäscheklammern befestigen. Erdung und Kurzschlüsse vermeiden!

Sicherheit 

Die Galvanisierlösungen sind korrosiv und giftig. Trage Schutzbrille und Labormantel und vermeide möglichst Hautkontakt.

Verkupfern nach Arendt-Dörmer. 

Die vorbereitete Kupfer - Galvanisierlösung enthält Kupfer(II)kationen Cu2+ aq: 125g CuSO4 · 5H2O, 50g H2SO4, 50g Ethanol, Wasser auf 1L.

  • Gegenstände aus Eisen oder vernickeltem Eisen (Schlüssel; Münzen) eignen sich gut.
  • Den vorbereiteten Gegenstand 10 -15 min mit 4.5 V (Imax 0.2 A) Gleichspannung verkupfern.

Vernickeln nach Chemie heute II, Schroedel-Verlag. 

Die vorbereitete Nickel - Galvanisierlösung enthält Nickel(II)kationen Ni2+ aq: NiCl2 aq 1M in HCl 0.1M.

  • Gegenstände aus Kupfer und verkupferte Gegenstände eignen sich gut.
  • Den vorbereiteten Gegenstand 10 -15 min mit 6 V (Imax 0.2 A) Gleichspannung vernickeln.

Vergolden nach J. M. Saurer, Gymnase Français. 

Das vorbereitete Gold-Galvanisierbad enthält Gold(III)kationen Au3+ aq: 0.6g HAuCl4 · nH2O, 3g K4[Fe(CN)6], 3g K2CO3, 200ml H2O

  • Gegenstände aus Kupfer, Nickel oder Kupfernickel z. B. Münzen (-.10 bis 5.-) oder andere nickel­haltige Gegenstände (Schlüssel, Anhänger...) eignen sich gut. 
  • Dimethyl-Glyoxim-Test machen!
  • Den vorbereiteten Gegenstand mit kleiner Spannung und Strom (ca. 10mA/cm2) 
  • elektroly­sieren. Gasentwicklung an Kohle-Anode darf nicht zu stark sein, nur gerade knapp sichtbar.

Vermessingen nach Chemie heute II. 

Die vorbereitete Messing - Galvanisier­lösung enthält Kupfer(II) Cu2+ aq und Zink(II)kationen Zn2+ aq: 4g CuSO4 · 5H2O, 1,2g ZnSO4 · 7H2O, 32g Kaliumnatriumtartrat-Tetrahydrat KNaC4H4O6 · 4H2O, 1,6g NaOH, Wasser auf 400mL.

  • Gegenstände aus Eisen- oder vernickelte Gegenstände eignen sich gut.
  • Den vorbereiteten Gegenstand mit 4.5V ca. 10 min vermessingen.

Auswertung

  • Reaktion an der Kathode (Minuspol) beobachten, interpretieren und formulieren.
  • Reaktion an der Anode (Pluspol) beobachten, interpretieren und formulieren.
  • An welchen Stellen würde der nicht gewendete Gegenstand stärker beschichtet? Wieso?
  • Kann die Dicke der Metallschicht auf dem Gegenstand gemessen/berechnet werden?
  • Wieso wird Gleich- und nicht Wechselstrom verwendet?
  • Welche Reaktion passiert bei einem passenden Metallblech, wenn es als Anode verwendet wird?

Entsorgung

Das Gold - Galvanisierbad direkt in die Vorratsflasche, die anderen Bäder durch einen Papierfilter zurückgiessen. Salzsäure HCl 1M in Säure/Base-Kanister giessen.

Es gibt neben der galvanischen auch noch andere Möglichkeiten mit Metallen zu beschichten:

  • Im flüssigen Metall: Metallschichten bilden sich nach dem Eintauchen in flüssiges Metall.
    Beispiel: "Feuer"verzinken von Eisengegenständen, z. B. verzinkte Giesskannen.
  • Chemische Reaktion: Metallschichten bilden sich durch chemische Reduktion von Metallkationen.
    Beispiel: Silbermetallschichten auf Glasspiegeln entstehen durch Reduktion von Silberkationen Ag+ aq durch Traubenzucker in wässriger Lösung.
  • Aufdampfen von Metallen: Metallschichten bilden sich beim Resublimieren von Metalldampf.
    Beispiel: Eine schwarze Schicht metallischen Wolframs bildet sich manchmal im Innern einer Glühbirne, wenn sie durchbrennt. Wolfram vom Glühwendel verdampft dabei und resublimiert am kalten Glas. Damit sind technisch ganz dünne und feine Beschichtungen möglich.
  • Auftragen/Kleben von Metallfolien:
    Beispiel: Kunstwerke aus Holz werden mit Blattgold, einer dünnen Goldfolie vergoldet.

[1]Nach Luigi Galvani, einem italienischer Arzt und Naturforscher des 18. Jh.

Zentralkurs 2003 Biel Bienne, Klemens Koch


Austria - Exporthandbuch 1996


Langbein - Pfanhauser - Werke ehemaliger Firmensitz Wien 23.,

Lehrbeauftragter des Wifi Wien